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OH! THAT CELLO
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"0h! That Cello"
Music by CHARLIE CHAPLIN |
Beckmann spielt Cello
Thomas Beckmann/Violoncello - The Belgrade Philharmonic Orchestra Charlie Chaplins compositions in new perspective |
Did you know,
that Charlie Chaplin played the Cello? |
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Bis zum Tage X heißt es warten, dann werden die Filme des Charles Chaplin wohl wieder im Kino zu sehen sein, und wer nicht zu spät kommt, kann es im Filmvorspann lesen : der geniale Filmkomödiant hielt es zumindest in einem Punkte mit Richard Wagner: Auch er komponierte die Musik zum Gesamtkunstwerk selbst. Nur der eingeschworenen Fan-Gemeinde Chaplins ist es indes bekannt, dass der Meister (darf man seinen eigenen Angaben Glauben schenken) vor dem filmischen Durchbruch ernsthafte Ambitionen entwickelte, als Konzertsolist mit Violoncello und Geige aufzutreten. Er stammte aus einer Musikerfamilie (seine Mutter war Soubrette, sein
Vater Sänger in Londons music-halls). In einem der einfachsten
Viertel Londons aufwachsend, verdiente sich Chaplin sein erstes Geld
auf den Varietébühnen der Londoner "music-halls".
Dort imitierte er als Kind die brüchige Stimme seiner Mutter, was
für ihn Applaus und für seine Mutter das Ende der Karriere
bedeutete. Der Vater, der Trunksucht verfallen, konnte die geringen
Einkünfte der Mutter, die sich und die Kinder mit Näharbeiten
über Wasser hielt, nicht nennenswert aufbessern. So manches Mal
litt die ganze Familie Hunger. Sein Talent erwies sich sehr rasch, und nach Jahren als Wanderschauspieler wurde er Star in Fred Karnos Schauspieltruppe. Komikerkollege Stan Laurel berichtet aus dieser Zeit, dass er damals mit seinem Cello auf Reisen gewesen sei. Der Anspruch war groß, die Investitionen durchaus beträchtlich: Bei jahrelangem Unterricht wurden die täglichen Übungen gewissenhaft verrichtet - vier Stunden Minimum, sechs Stunden keine Seltenheit. Mit der in Vaudeville-Akten zu bewundernden Fähigkeit, allfällige Probleme kompromisslos aus der Welt zu schaffen, ließ sich der Linkshänder Cello und Geige umbauen. Sein seitenverkehrtes Spiel erforderte das schon damals kostspielige Öffnen der Instrumente für die Versetzung von Bassbalken und Stimmstock sowie zahlreiche weitere Änderungen. So blieb dem Komiker der Erfolg als streichender Virtuose versagt, und es ging ihm hierbei nicht anders als dem Erfinder der Relativitätstheorie Albert Einstein, dessen Frage nach seinem Geigenspiel der Cello-Virtuose Gregor Piatigorsky mit dem sibyllinischen Ausdruck "Relativ gut" beantwortete. Dies sollte ihn jedoch nicht daran hindern, schon 1916, noch vor seinem
Filmerfolg, einen Musikverlag zu gründen, den von ihm komponierten
Titel "Oh! That Cello" zu drucken und das in slapstickhafter
Manier betriebene Geschäft nach Herausgabe zweier weiterer Titel
zu schließen. |
Die später einsetzenden Filmerfolge boten
dem Allroundgenie jedoch Gelegenheit, seine cellistischen und kompositorischen
Fähigkeiten zu nutzen. Er spielte den Arrangeuren seine Melodien
vor, die diese dann je nach Anlass und eigenem Gusto bearbeiteten.
Ein Licht auf diese "Saiten" chaplinscher Streicherambition
wirft die beim Bremer Label JARO erschienene CD: Charlie Chaplin - "Oh!
That Cello". Auf ihr wurden die drei 1916 erschienenen Stücke
und eine Auswahl später teilweise weltberühmt gewordener Filmmusiktitel
so eingespielt, wie sie in der chaplinschen Erstfassung geklungen haben
mögen: mit Cello und Klavierbegleitung. Zu hören sind unter
anderem "Limelight", das improvisatorisch gehaltene "Coffee
and cakes", "Bonjour Madame", dessen Thema dem der Cellosonaten
von Richard Strauß bemerkenswert ähnelt, aber auch mehrere
nicht im Druck erschienene Stücke, zu denen die handgeschriebenen
Noten in aufwendigen weltweiten Recherchen zusammengetragen wurden. Ein zweites Volume mit Kayoko Matsushita am Piano "Thomas Beckmann - Charlie Chaplin" erschien drei Jahre später, eine Aufnahme mit- für viele vielleicht überraschend - oft sehnsüchtig melancholischen Melodien von anrührender Schlichtheit (Spring Song!), die vom Ballast der Hollywoodorchester befreit wurden. Dass hier ein erster Versuch in dieser Richtung unternommen wird, scheint umso bemerkenswerter, als sich Chaplin selbst diesbezüglich wie folgt äußerte:" Ich versuchte, elegante und romantische Musik zu komponieren, um meinen Komödien einen Rahmen zu geben, der mit dem Charakter des Tramps kontrastierte. Elegante Musik verlieh meinen Komödien eine emotionelle Dimension. Die Musikarrangeure verstanden dies selten. Sie wollten die Musik lustig haben. Aber ich erklärte ihnen, dass ich keine Konkurrenz wünschte, sondern dass die Musik ein Kontrapunkt von Anmut und Charme sein sollte, dass sie Gefühl ausdrücken sollte, ohne das, wie Hazlitt sagte, ein Kunstwerk unvollständig bleibt. Manchmal wollte ein Musiker mit mir großartig über die verminderten Intervalle der chromatischen oder diatonischen Tonleiter diskutieren, aber ich unterbrach ihn dann wie ein Laie: 'Was auch immer die Melodie ausdrückt, der Rest ist nur Begleitung.'"
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